Samstag, 27. Februar 2016

Leer Zeich(n)en

Manche Schreibfehler sind einfach lustig. Deppenleerzeichen ohnehin oft.
Das hier nennt man wohl "Limited Edition", "begrenztes Angebot" (oder ausgrenzendes …? Ach naja, In- und Out-Gesellschaften sind ja grad Topthema), "exklusiv", "nur, solange der Vorrat reicht" oder "für ausgewählte Stammkunden":

Ein Angebot in Mobiltelefonie. Aber nicht für viele.

Mittwoch, 13. Januar 2016

Zitat der Woche (38)

Die besten Treppenwitze schreibt nur das wahre Leben. Am Anmelde-Tresen einer Arztpraxis wird ein Mann als neuer Patient vorstellig:
"Guten Morgen! Mein Name ist Schrödinger. Ich möchte mich bei Ihnen gerne auf Allergien testen lassen. Ich glaube, ich habe Katzenallergie."

Montag, 4. Januar 2016

Mond- und Bauchlandungen

Zum Themenkomplex "Knaller, Knüller, Raketenstarts, Fehlstarts und zwiespältige Botschaften" soll kurz nach Silvester noch dieser etwas irritierende Schnappschuss veröffentlicht werden:
Friedrichshainer Zwerge - Revaler Straße - Apollo 11
Ein Kunstwerk mit dem Titel: "Alles Scheiße, deine Elli"?
Jedenfalls heißt weder der Erschaffer dieser Plastiken noch deren Fotograf Pim(m) Rakete
Das sind doch …!? Aua-aua, ist denn dies der richtige Rahmen, Moment und Ort für derlei Abgeschmacktheiten? Wer weiß. Doch darum geht es gar nicht. Denn hier verbirgt sich tatsächlich ein pädagogisches Konzept zur Frühförderung von Technik-, Fortschritts-, Geschichts- und Wissenschaftsinteresse, bildender Kunst und größtmöglichem Individualismus im engen Rahmen des ganz fest Vorgegebenen:

Wer sich vom ersten gemächtigen Schock erholt hat (oder fertig ist mit dem Schwadronieren über den emotionalen Ausdruck "naiver Kunst"), der wird vielleicht eine Auflösung des Eine-Augenbraue-hochzieh-Rätsels, was hier dargestellt sein mag, haben wollen. Ein Rest von Irritation wird dann allerdings trotzdem bleiben; erst recht mit der Information, dass es sich bei dem Friedrichshainer Schaufenster um das eines Kindergartens bzw. einer Kindertagesstätte handelt. Doch gilt auch hier, wie so oft: Ein Schuft, wer Böses dabei denkt! Das heißt: nur die oder der Betrachtende mit den abgründigen Ideen im Kopf, keinesfalls hingegen eines der süßen, kreativen Kleinen oder aber die verantwortliche, heimtückische Erziehungsfachkraft vor Ort (oder gar die Bloggerin). Ein Schuft übrigens auch, wer hier Ursache und Wirkung vertauscht. Also:

Friedrichshainer Zwerge - Revaler Straße - Apollo 11-2
In Reih und, äh, Glied: faszinierende, zum interpretatorischen Abschuss freigegebene Werke
des Friedrichshainer Nachwuchses zum Thema "bemannte Raumfahrt".
Und ehe es Richtigstellungs-Anstürme empörter Eltern gibt: Die "Apollo 11"-Fotos sind vom letzten Jahr. Aber sie passten so gut zum Thema Jahreswende. Immer diese manipulativen Medien, schlimm, schlimm.

Freitag, 1. Januar 2016

Der Himmel über Berlin II

Neujahrsvorsatz: Grünzeuch-Blog wiederbeleben. Na dann! Frau kann ja nicht alles von dem Kram immer ignorieren. Und besser bloggen als abnehmen, reich werden, die Welt retten und all die üblichen, ähnlich schnell umsetzbaren Dinge – wenigstens lässt sich Bloggen sofort zum Jahresbeginn abhaken.

Nicht immer sind Himmelsbilder a) astronomisch, b) astrologisch oder c) kitschig. Manchmal sind sie stattdessen auch einfach erschreckend – und das in Berlin sogar ganz ohne Terrorwarnung und dank absolut nicht unbekannter Flugobjekte:
Silvesternacht 0.30 Uhr Kreuzberg aus dem 3. OG fotografiert
Dicke Luft: Kreuzberg 61 versinkt im Nebel.
Hier sind die dichten Schwaden über dem Viktoriapark noch Böller,
nicht wie am nächsten Morgen "echtes Wetter".
Wie schön! Wie poetisch! Wie aussagestark! Immer wieder traumhaft, berückend und berührend, wie alle sich den Rest des Jahres um Frieden und Finanzen Sorgen machen, um dann zu Silvester richtig begeistert Krieg zu spielen und dafür je ein Monatsgehalt sowie in manchen Fällen auch Autos, Wohnungen, Trommelfelle und Finger in die Luft zu jagen.

Folgerichtig taucht der Neujahrstag nun in passender Witterung ab. Nachdem die letzten Wochen des alten Jahres noch gruselig frühlingshaft anmuteten, Blüten sprossen, Bienen schlüpften, Hipster vor den Bars draußen saßen und all dies den letzten Skeptiker vom Klimawandel überzeugte, sind nun punktgenau Schneeregen, Kälte und ja, inzwischen auch wahrhaftiger, richtiger Nebel über Berlin hereingebrochen. Hoffentlich kein schlechtes Omen, auch wenn sich heute manch einer benebelt fühlen mag.

Allen LeserInnen ein gesundes, knallermäßiges, raketenstartiges, angstfreies und gar nicht nebulöses 2016!
Viel Glück – und das sogar null ironisch! (Foto: kaleen/pixabay)

Dienstag, 17. Februar 2015

Zitat der Woche (37)

Unbedingt nachzureichen ist noch das Zitat der letzten Woche: Eine junge Japanerin erläutert ihre Pläne, die Berliner Lindy-Hop-Tanzszene gründlich kennenzulernen, zu kopieren und das Swing-Revival nach Osaka zu exportieren. Ihr kommen Bedenken:
"But I think it will be difficult. I think that Japanese society is very narrow-minded. I want to throw an atom bomb!"

Mittwoch, 4. Februar 2015

Tannsoldaten – in Reih' und Schiet

Schenkendorfstrasse Tannenbaeume mit Hundescheisse
Kreuzberg, Schenkendorfstraße, Ende Januar 2015.
Der monströse, schmierige Hundehaufen, der ebenso
ordentlich unter dem ersten Baum abgelegt war,
wurde aus ästhetischen Gründen abgeschnitten.
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
wie welk sind deine Blätter!
Du hältst nicht bis zur Sommerzeit,
Auch nicht im Winter, unverschneit.
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
wie welk sind deine Blätter.

O Tannenbaum, o Tannebaum,
wie tief bist du gefallen!
Wie kurz darfst du zur Weihnachtszeit
entwurzelt leben, wie's uns freut!
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
wie tief bist du gefallen.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
dein Leid will mich was lehren:
Nicht Umwelt und Beständigkeit,
nein, Schmuck und Kurzweil, dann wirf's weit!
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
dein Leid will mich was lehren.

Donnerstag, 29. Januar 2015

Zitat der Woche (36)

Tanzlehrerin erklärt eine neue Figur bzw. Technik:
"There are two problems. One is the leader and one is the follower."

Mittwoch, 21. Januar 2015

Zitat der Woche (35)

Zwei junge Männer, beide mit mutmaßlich türkischem Migrations- bzw. Vorfahrenhintergrund, unterhalten sich. Da fällt der eine dem anderen ins Wort:
"Alter, sag 'ichchch' und nicht 'isch'!"

Freitag, 16. Januar 2015

Schöne Aussichten

Trotz des letzten Läster-Artikels: Zugegeben, das Wetter der letzten zwei Wochen ist wirklich nicht so der Brüller und Stimmungsknüller. Die wüste Welt da draußen präsentiert sich stets grau, gruselig, gramfördernd, dunkel, diesig, nass und nörgelig. Und dazu dann noch der Wind. Kaum Sonne, kein Schnee. Nichts Hübsches da draußen. Vielleicht hilft da folgendes Foto:

Hotel Cityblick Berlin-Schöneberg, Baustelle nimmt die Sicht
In Schöneberg City hat der Hotelgast den Durchblick.
Dieser Anblick lockt vielleicht auch wieder Touristen nach Berlin – und Berlins Randexistenzen in die Innenstadt. Hach! Wenigstens dort ist es schön! Da hat man auch die Aussicht auf ein Zimmer mit selbiger. So weit die Blicke reichen: Da schauen Gäste, Anwohner und Passanten ins wahre Gesicht der Stadt!

Okay, der Sonnenschein auf der Hauswand legt es nahe: Die Lügenpresse hat mal wieder manipuliert. In einem Aktualität vorgaukelnden Medium, einem Blog, findet sich hier doch tatsächlich im Winter ein Foto veröffentlicht, das schon im Frühherbst aufgenommen wurde. Aber was tut man nicht alles, um LeserInnen und BetrachterInnen (von mir aus auch HörerInnen; ist dann die Ruhe vor dem Sturm) irrezuführen, für dumm zu verkaufen und dann auch möglichst ebenso dumm zu halten. Naja, oder um ihre Laune zu verbessern. (Wie seicht! Aber Trivialität ist ja vielleicht nicht das schlimmste aller medialen Verbrechen.)

Mittwoch, 14. Januar 2015

Und sonst so? – Muss ja.

Kleinste gemeinsame Nenner sind wichtig; nicht nur in der Algebra, sondern auch im menschlichen Miteinander. Darum ist es (an alle Dr. Dr. Sheldon Coopers: nota bene!) gesellschaftlicher Konsens, wenn einem entweder sonst nichts einfällt oder aber alle anderen Themen vermintes Gebiet sind, dann über das Wetter zu reden.

In Deutschland hat sich bei diesem Reden das Motzen als grundlegender Ansatz etabliert. Welches Wetter das Werturteil "schön/gut" erhält und welches "eklig/schlecht", ist dabei ganz klar geregelt. Ungeschriebenes Gesetz: Sonne und Wärme supi, alles andere iiiihdoofblöd.
Niemand denkt dabei an die armen Allergiegeplagten, die im Frühling gar nicht solche große Freude haben, und an die hitzeempfindlichen Kreislaufschwachen, die den Sommer fürchten. Aber abgesehen von dieser Randnotiz lauert hier eine gesamtgesellschaftliche Falle: So wird das Smalltalken in der wärmeren Jahreszeit grundlegend erschwert! Denn wenn man nicht motzen kann, wozu dann ein Gespräch? Es sei denn, die Sprechenden einigen sich nonverbal, dass in diesem Ausnahmefall das Reden übers Wetter auch ohne Motzen statthaft ist, ehe man vereinsamt und mitten in der sonneseligen Supi-Zeit plötzlich vereinsamt und womöglich depressiv wird. Dann ist Loben möglich – aber sehr schnell aufgebraucht. Blumige Sprache erreicht beim Loben schneller ihre zeitgenössischen Grenzen als beim Motzen. Dann ist das Gespräch schnell zu Ende. In manchen Fällen hat das seine Vorteile.

So oder so: Freut euch des aktuellen Wetters! Nutzt es, um nach langer Zeit einmal wieder ausgiebig und sinnlos Kommunikation zu treiben! Wichtig: Sprecht dabei gegenüber dem neu entdeckten Wesen, diesem sogenannten Mitmenschen, unbedingt auch an, dass es ja nun wirklich lange genug kalt und bäh war und endlich, endlich, endlich wieder warm werden muss. Dass es erst Mitte Januar und dafür viel zu warm ist und dass bis auf eine Woche richtigen Frosts von "Winter" diesmal eigentlich keine Rede sein kann, dürft ihr keinesfalls erwähnen. Und zwar nicht nur gegenüber Klimakatastrophe-Befürchtenden und anderen vermeintlich viel zu Grünen. Sondern das ist ein schlimmer Verrat an gemeinsamen Werten. Und zwar ein schlimmerer, als sich zum Beispiel zusammenzurotten und irrwitzige "Ich habe nix gegen Ausländer und ich bin auch nicht rassistisch, aber"-Sätze zu sabbern. Muss deshalb auch unbedingt bekämpft werden, dieser Verrat. Statt "Je suis Charlie" mal "Je suis l'eté"!
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